Das Schweizer Fernsehen hat die Sendung “Arena” vom 13. Juni 2008 dem Thema der Preisexplosion bei Benzin und Öl gewidmet. Als nahmhafte Politikerinnen und Politiker stiegen in die Runde: Verena Diener (Ständerätin, GLP), Rolf Büttiker (Ständerat, FDP), Ulrich Giezendanner (Nationalrat, SVP) und Rudolf Rechsteiner (Nationalrat, SP).
Ein gutes Thema für eine kontroverse Diskussion, würde man meinen. Und auch ein gutes Podium für die Vertreterin der Grünliberalen Partei und allenfalls der SP oder FDP, wieder einmal auf den Zusammenhang zwischen dem Konsum an fossilen Brenn- und Treibstoffen und dem Klimawandel hinzuweisen, Stichwort CO2-Gehalt der Atmosphäre. Ärgerlich: Während der ganzen Sendezeit wurden die Themen CO2 und Klimawandel nicht einmal am Rand erwähnt!
Wenn man weg will oder muss von den fossilen Energieträgern Öl und Gas, die in der Schweizerischen Energieversorgung immerhin einen Prozentsatz von ca. 70 % ausmachen und somit Ausdruck einer gigantischen Abhängigkeit sind, muss man dem Zuschauer verdeutlichen, weshalb dies längerfristig unabdingbar ist. Es reicht nicht, lediglich die Vorzüge erneuerbarer Energieträger anzupreisen und auf den tatsächlich stattfindenden Wachstumsschub bei der Wind- und Sonnenenergie hinzuweisen. Den Experten in Sachen Klimawandel und Energieversorgung mag die Thematik in der Tat schon längere Zeit geläufig sein. Gleiches lässt sich vom durchschnittlich gebildeten Fernsehzuschauer wohl nicht behaupten. Für das elementare Verständnis der Zusammenhänge und auch für die politische Motivation sind die Bindeglieder CO2 und Klimawandel unerlässlich. Hier wurde wohl eine Chance vertan! Sich lediglich über höhere Preise zu ärgern oder besorgt zu zeigen, trägt weder zum Verständnis der Situation noch zur Problemlösung bei.
Und so kam es, wie es kommen musste. Vertreter der SVP vermochten mit wenigen Schlagworten das Thema zu besetzen, ein Kleinunternehmer von SVP Gnaden durfte ungeniert und unwidersprochen gegen die staatliche Förderung der Solarenergie Stellung beziehen. Und in der Tat muss man sich beim gegenwärtigen Preisniveau des Erdöls fragen, ob und wieviel eine staatliche Förderung zum Umstieg noch beitragen kann. Transportunternehmer Giezendanner schliesslich durfte wieder einmal über die hohen Kosten für den Treibstoff klagen. Als ob man mit Klagen Probleme lösen könnte. Der FDP-Vertreter wirkte in der Runde etwas unglücklich, sagte zwar viel, aber wenig konkretes – immerhin wurde der Gebäudebereich erwähnt, wo es ein sehr grosses Potential für Einsparungen gibt. Und offensichtlich hatte Herr Büttiker bemerkt, dass es so etwas wie Wärmepumpen gibt, seit er sich selber eine in sein Haus einbauen liess. Ein Autodidakt – es geht also doch!
Ein Lichtblick in der Sendung waren immerhin die Aussagen von Daniele Ganser zum Thema “Peak Oil”. Auch das ist natürlich alles andere als eine neue Erkenntnis, aber die Aussage, dass die Erdölförderung in den USA bereits seit 1970 rückläufig ist, dürfte doch nicht allen geläufig gewesen sein. Verdeutlicht wurde die aktuelle Situation auf dem Weltmarkt, wo eine potentiell sinkende Produktion einer stark wachsenden Nachfrage aus Ländern wie Indien und China gegenübersteht. Der Preis für das schwarze Gold kann praktisch beliebig hoch steigen, denn es ist eine erschöpfliche Ressource! Und das ist auch gut so, aber umsteigen sollte man, bevor wir die letzten Reserven in der Form von CO2 in die Atmosphäre gepumpt haben. Analoges gilt natürlich auch für die Kohle und Kohlekraftwerke oder Gaskraftwerke.
So ist der Preisanstieg, den wir gegenwärtig erleben, beides: Ein Fingerzeig und eine Chance, die wir nutzen sollten zum vermehrten Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Und zwar jetzt und nicht erst morgen.
Simon Kälin für e-kiosk.ch – nachhaltig leben.