Archive for the 'Entwicklungshilfe' Category

Regenwälder sind das grüne Wunder des Lebens auf dem blauen Planeten Erde – nirgendwo sonst ist die Artenvielfalt so gross. Doch wird jedes Jahr die drei- bis vierfache Fläche der Schweiz abgeholzt oder verbrannt, jährlich rund 120’000 bis 150’000 Quadratkilometer Wald. Allein durch die Zerstörung des Regenwalds wird ein Fünftel bis ein Viertel des Klimawandels ausgelöst. Beim Schutz der Urwälder liegt deshalb einer der Schlüssel zur Zukunft der Menschheit.

Soja und Palmöl zerstören den Regenwald

Hauptgrund für die rasch voranschreitende Zerstörung grosser Regenwaldflächen ist die global stark wachsende Nachfrage nach Soja und Palmöl. Soja wird grösstenteils für die industrielle Massentierhaltung und damit für den Fleischkonsum verwendet, Palmöl dient als günstiger und idealer Rohstoff für verschiedenste Produkte wie Kosmetika, Waschmittel und für die Nahrungsmittelindustrie. Indonesien und Malaysia sind die weltweit grössten Produzenten von Palmöl. Der Import von Palmöl in die Schweiz hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht, während sich in den Herkunftsländern gewaltige Monokulturen immer weiter ausbreiten: Indigene Menschen und die Tiere und Pflanzen des Waldes verlieren ihre Nahrungsgrundlage und ihren Lebensraum für immer. Das lukrative Geschäft mit den Plantagen wird skrupellos vorangetrieben und richtet irreparable Zerstörungen an.

Ausweitung der Produktion und Korruption

Wie das von Korruption dominierte Geschäft mit Tropenholz und Palmöl in Sarawak funktioniert, konnte der Bruno-Manser-Fonds anhand eigener Ermittlungen aufzeigen: Das Vermögen von Abdul Taib Mahmud, Staatschef und Gouverneur von Sarawak, wuchs in den letzten 30 Jahren auf geschätzte 15 Milliarden Dollar an. In dieser Zeit schrumpfte der Primärregenwald auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Grösse: Die letzten Orang Utans kämpfen heute ums Überleben. Nachhaltiges Palmöl ist eine Illusion, weil es überall dort wächst, wo früher einmal Regenwald stand. Die gigantische Ausweitung der Produktion war und ist nur unter Inkaufnahme gewaltiger Umweltverbrechen möglich. Ein Freihandelsabkommen der Schweiz mit Malaysia und Indonesien würde diese Verbrechen nicht nur legalisieren – es wäre auch ein herber Schlag für die Bemühungen zur Rettung des Regenwalds, zum Erhalt der Artenvielfalt und für die Menschenrechte insgesamt. Deshalb nein zum Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien!

Ölfrüchte beim Abtransport von der Plantage.

Wasser bedeutet Leben

Das Recht auf Wasser, der Zugang zu sicherem und sauberem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen wurde von der UNO 2010 als Menschenrecht anerkannt und in einer Resolution verankert. In vielen Ländern ist Wasser ein knappes Gut. Gemäss Angaben der UNO stehen rund 80 Prozent aller Erkrankungen in südlichen Ländern in direktem Zusammenhang mit dem Gebrauch von verunreinigtem Wasser. Schätzungsweise 5’000 Kinder sterben deswegen weltweit jeden Tag an den Folgen von Durchfallerkrankungen – alle 17 Sekunden ein Kind. Und im Jahr 2020 wird es auf der Erde voraussichtlich 1 Milliarde Menschen geben, die keinen Zugang zu Wasser in ausreichender Menge und Qualität haben.

Klimawandel verändert den Wasserhaushalt

Der voran schreitende Klimawandel verschärft den Wasserstress in vielen Regionen zusätzlich, die Folge sind neue Flüchtlingsströme in bislang nicht gekanntem Ausmass. Kein Land der Welt kann sich vor den Folgen der Klima- und der Wasserkrise abschotten! Anstatt teure Abwehrmassnahmen zu finanzieren, investiert man Gelder viel besser zur Bekämpfung der Ursachen - dazu gehört die Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der Wasserversorgung und -entsorgung.

Die öffentliche Wasserversorgung der Schweiz als Vorbild

Eine öffentliche Wasserversorgung unter demokratischer Kontrolle ist der beste Weg, den Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser für alle zu gewährleisten. Deshalb kommt dem Schweizer Modell der öffentlichen Wasserversorgung international ein Vorbildcharakter zu. Leider aber ist die weltweite Wahrnehmung der Schweiz eine andere. Allen voran verbreitet der Nestlé-Konzern, unterstützt von Lobbygruppen, die frohe Botschaft der Wasserprivatisierung.

Zürich soll Teil der Blue Community Initiative werden – so wie Bern

Die Grünen in der Stadt Zürich fordern, dass sich die Stadt an der “Blue Community Initiative” beteiligt, die ursprünglich in Kanada gestartet wurde. Das Signal aus Zürich wäre ein sehr starkes Zeichen an die grossen Konzerne, die mit dem Wassergeschäft gigantische Profite erwirtschaften und würde all jene Kräfte unterstützen, die in ihren Heimatländern gegen die Wasserprivatisierung ankämpfen. Die Stadt Bern hat diesen Schritt bereits im letzten Herbst vollzogen – ein exzellenter Entscheid der Berner Stadtregierung! Und was Bern recht ist, sollte Zürich erst recht billig sein.

Entwicklungszusammenarbeit der Zürcher Wasserversorgung 

In Zürich aber wollen wir noch einen Schritt weitergehen und fordern, dass sich die Zürcher Wasserversorgung vor dem Hintergrund der geschilderten, globalen Problematik aktiv in einer Entwicklungszusammenarbeit in Form einer Public-Public-Partnership einbringt. Alles andere hiesse tatsächlich den Kopf in den Sand stecken.

Stadtrat kürzt Entwicklungshilfegelder um eine Million Franken

Beiträge der Stadt Zürich an Entwicklungshilfeorganisationen sind kein Luxus, für die betroffenen Menschen ist es eine Lebens- und Überlebenshilfe. Gemäss dem Antrag des Stadtrats wird der Beitrag von 3.5 Mio. Franken im Vorjahresbudget 2013 auf neu 2.5 Mio. fürs 2014 gekürzt. Eine Million Franken weniger: Sowohl aus sozialer wie ökologischer Sicht ist das schmerzhaft.

Es trifft die Armen ohne Stimme

Die Schmerzen entstehen weniger bei uns, als vielmehr bei den schwächsten und bedürftigsten Menschen. Menschen, die keine Stimme haben, um sich bei uns in der Ersten Welt Gehör zu verschaffen. Menschen auch, die an vielen Orten bereits einen hohen Preis für unseren Rohstoffhunger bezahlen. Im Zusammenhang damit muss an die Bedeutung von Wasserprojekten erinnert werden. Rund eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Global denken, lokal handeln bedeutet demnach, dass auch die Stadt Zürich ihren Beitrag zur Verbesserung der oftmals katastrophalen und vielerorts absolut menschenunwürdigen Situationen leisten muss.

Ursachenbekämpfung bei der Flüchtlingsproblematik

So besehen, sind 2.5 Mio. Franken ein bescheidener Beitrag der Stadt. Zumal man damit die Flüchtlingsproblematik an der Wurzel bekämpfen kann, indem Menschen vor Ort bessere Lebensgrundlagen erhalten. Eine weitergehende Kürzung wäre deshalb nicht nur unverantwortlich, sondern blind: In unserer Stadt gibt es demnächst ein Bundesasylzentrum für Flüchtlinge.