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Der Stern von Bethlehem

Wenn am Abend des 24. Dezembers die Tür zu meinem Hottinger Büro ins Schloss fällt, ist Besserung in Sicht. Die vorweihnächtliche Hektik findet ihr Ende und ich freue mich schon auf den Besuch der Mitternachtsmesse in der Augustiner-Kirche. Nach der Arbeit im Büro braucht es aber noch etwas wohltuende Dynamik. Für den Weg zur Kirche habe ich mir deshalb eine kleine Premiere überlegt: Mit meinem neu erstandenen Secondhand-Gefährt, einem hübschen Trotinett, möchte ich die um diese Zeit wohltuend von Fussgängern entleerte Bahnhofstrasse entlang sausen, angetrieben von der eigenen Muskelkraft.
Stunden später ist es dann soweit, ich geniesse diese Fahrt auf einer der teuersten und wahrscheinlich auch schönsten Einkaufsstrassen der Welt hinunter bis vor die Augustiner-Kirche. Kaum zu glauben, dass dieses teure Pflaster vor vielleicht etwa 150 Jahren nicht mehr als ein trister Graben vor den Stadtmauern war. Ich stelle mir vor, mit wilden Gewächsen, vielen Pfützen und Tümpeln, in denen in lauen Sommernächten Frösche ihr Lied quakten. Und dort, wo vor Jahrhunderten einst Metall zu Münzen geprägt wurde, ruht jetzt mein Gefährt für eine kurze Weile.
Die Fassade über dem Eingang zu Kirche erstrahlt in einem weihnächtlich-festlichen Sternenmuster, einem Projektionsbild. Was für ein Kontrast zur kühl und nicht sehr festlich wirkenden, silberfarbenen Weihnachtsbeleuchtung entlang der Bahnhofstrasse! Dann diese Feier einer Geburt in dunkler Nacht und grosser Armut. Unabhängig von der religiösen Symbolik empfinde ich sie als Einladung, einen Moment innezuhalten und den Blick auf elementare Fragen des eigenen Lebens oder allgemeiner, des menschlichen Daseins, zu lenken. Die Zeit der Wintersonnenwende, zwischen den letzten Tagen des alten und den ersten Tagen des neuen Jahres, eignet sich doch ausgezeichnet für eine Standortbestimmung.
In der Tat und mehr denn je bräuchten wir das Licht eines Sterns von Bethlehem. Eines Sterns, der uns auf den rechten wie gerechten Weg in die Zukunft führt, dessen Licht uns stets begleitet. Und der uns in der Einsicht bestärkt, dass unser Tun für das Gemeinwohl positive Kräfte weckt und wir unsere Verantwortung gegenüber der Mitwelt wie der Nachwelt durch unser Handeln tatsächlich wahrnehmen können. Nach der holprigen Klimakonferenz in Kopenhagen, dünkt mich, ist dies geradezu eine Notwendigkeit. Dieses helle Sternenlicht wünsche ich uns allen zum Jahreswechsel und für das anbrechende, neue Jahrzehnt!